EnEV-Dschungel und mögliche Bußgelder bis zu 50.000 €

Neue EnEV-Änderungen

Mit dem Jahreswechsel ist Anfang 2016 die zweite Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 in Kraft getreten. Damit werden zu Gunsten der energetischen Qualität die Anforderungen für Neubau und umfassender Sanierung erneut verschärft. Wer gegen die neuen Richtwerte verstößt, riskiert Bußgelder bis zu 50.000 Euro.

Der Kern der Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV) besteht in einer Senkung des jährlichen Primärenergiebedarfs um 25 Prozent. Davon ausgenommen sind lediglich Nichtwohngebäude mit Raumhöhen über vier Meter und einer dezentralen Strahlungsheizung.

20 Prozent besserer Wärmeschutz der Gebäudehülle

Gleichzeitig wird der Wärmeschutz der Gebäudehülle um 20 Prozent im Vergleich zu bisher gültigen Richtwerten verschärft. Im Bereich der Wohngebäude muss dies durch eine Verringerung des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transaktionswärmeverlustes erreicht werden, wie die Verbände der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) erläutern. Gerade für Eigenheime müssen folglich höhere Dämmstoffstärken als bisher verbaut werden.

Neuer Mindestwärmeschutz für oberste Geschossdecken

Mit der neuen Verschärfung ist auch der Mindestwärmeschutz von begehbaren Decken beheizter Räume in einem unbeheizten Dachraum neu geregelt. So darf der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) 0,24 W/(m2K) nicht überschreiten, sofern die oberste Geschossdecke nicht die Anforderungen der DIN 4108-02: 2013-02 zum Mindestwärmeschutz erfüllt.

 

 

 

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Meiner Erfahrungen als Dachhandwerker

Die Dachsanierung ist gemäß EnEV Mindestanforderung und im Gegenzug als Sanierung die KfW-Förderungen ermöglicht. Die beiden Versionen unterscheiden sich wesentlich in der Einhaltung entsprechender Dämmwerte. In der Sanierung gibt es eine Vielzahl verschiedenster Möglichkeiten die eventuell noch vorhandene Dämmung mit zusätzlicher Dämmung, z. B. Zwischensparrendämmung als auch Aufdachsprrendämmung, sinnvoll zu ergänzen um den jeweilig geforderten Dämmwert zu erreichen. Diese zahlreichen Versionen sind für den Kunden, der die vorliegenden Angebote vergleichen möchte, kaum noch prüfbar. Nicht selten werden wir von Mitbewerbern zwischen 30 – 40 % im Angebotspreis unterboten. Ich bin mir sicher, dass unter solchen Unterschiede die fachliche Ausführung, speziell bezüglich der winddichten Anschlüsse sowie der Dämmanschlüsse, leidet. Dies vorab einem Interessenten plausibel zu erläutern gelingt mir leider nicht immer.

 

Meine Erfahrungen als Bausachverständiger

Gründe warum ich als Bausachverständiger zu eine Dachsanierung gerufen werde sind unterschiedlich. Zum Einen muss eventuell ein Wasserschaden begutachten werden, der im Zuge der Sanierung entstand. Desweiteren ist vielleicht der Bauherr mit der handwerklichen Ausführung uneins und möchte von mir eine Beurteilung. Ein anderes Mal wurde ich anfangs als Dachfensterprofi gerufen um den ausführenden Dachhandwerker im Einbau eines älteren Roto Dachfensters zu unterstützen, woraus sich später ein Auftrag als Gutachter ergab.

Bei einem Drittel der in den letzten 12 Monaten durch mich begutachteten Dachsanierungen sind bezüglich der EnEV-Anforderungen massive Ausführungsmängel aufgetreten. In einem Fall hat der Handwerker die geforderte EnEV-Mindestanforderung mit der eingebauten Mineralfaserwolle nicht erfüllt und hat den Kunden nicht mitgeteilt, dass dies zu einem Bußgeld von bis zu 50.000 € führen kann. Weiter hat er z. B. die Winddichtigkeit an alle angrenzenden Bauteile komplett nicht ausgeführt. Hier streiten sich gerade die Rechtsanwälte. Meiner Meinung nach, muss das Dach noch einmal auf Kosten des Handwerkers saniert werden. In einem weiteren Fall hat der ausführende Handwerker eine Sanierung nach EnEV-Mindesantforderung ausgeführt, obwohl eine viel höher beauftragter KfW-Standard vom Kunden bezahlt wurde. Da ich hier als Bausachverständiger noch vor Abnahme der handwerklichen Ausführung den Umstand bemerkt habe, wurde das bereits eingelattete Dach wieder bis auf die Dämmung demontiert und entsprechend der beauftragten Ausführung „aufgebaut“. In den nächsten Tagen wird hoffentlich das Dach eingedeckt.

Meine Empfehlung

Nicht nur beim Bau eines kompletten Hauses ist die Beratung eines Rechtsanwaltes, sowie die Beratung und Betreuung eines Bausachverständigen anzuraten. Energetische Dachsanierungen sind, nicht zuletzt durch die EnEV, dermaßen kompliziert, dass diese Maßnahme besser durch einen fachkundigen Bausachverständiger betreut werden sollte. Nicht nur wegen drohender Bußgelder sondern auch wegen Bauschäden resultierender Baumängel. Bei Fragen schreiben Sie mir einfach …

 

 

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